Brigitte Wettstein, Esalen Masseurin in Küsnacht, hat uns folgende Frage gestellt:
“Eine Esalen Massage kann Vieles in Bewegung setzen. Selten, aber doch dann und wann kommt es vor, dass Klienten nach einer Massagesitzung über Schmerzen am ganzen Körper klagen - auch wenn die Behandlung sanft war... Kennt Ihr das? Was ist Eure Erfahrung damit, was Eure Erklärung? Danke für Eure Beiträge!”
Ingrid May, Physiotherapeutin und Esalen Massage Lehrerin, meint dazu folgendes:
Öfters kommt es in manuellen physikalischen Therapien, Massagen und Osteopathie-Behandlungen wie auch in der Homöopathie zu einem Phänomen, das als “Erstverschlimmerung” bezeichnet wird. Das kann geschehen, muss aber nicht.
Dabei kommt es nach einer Behandlung erst mal zu einer Verschlechterung. Das kann an der behandelten Stelle geschehen oder aber auch an einem anderen Ort im Körper auftreten. Es kann sich auf der körperlichen und/oder der nervlichen Ebene ausdrücken (mehr Schmerzen, Muskelkater und Muskelziehen, aber auch Schwindel, Müdigkeit oder Schwäche).
Dauer der Erstverschlimmerung
Eine solche Erstverschlimmerung sollte nicht länger als 1-3 Tage dauern. Fast immer wird es danach besser. Dieses Phänomen ist für Patienten, die nicht darauf vorbereitet sind, oft angstauslösend und kann zu einem Gefühl der Hilfslosigkeit führen.
Gespräch und Nachbehandlung anbieten
Es ist sehr wichtig, dass unsere Patienten über diesen eventuellen Sachverhalt Bescheid wissen und informiert werden, bevor die Behandlung beginnt. Nach der Massagesitzung weisen wir sie darauf hin, dass wir auch hinterher, wenn sie Hilfe und Unterstützung nach der Behandlung brauchen, zur Verfügung stehen. Das kann in Form eines telefonischen Gespräches geschehen. Oder wir können eine Nachbehandlung anbieten. Das gibt den Patienten oft die Sicherheit, damit besser umzugehen.
Warme Bäder und Schmerzmittel
Wenn es sehr unangenehm ist, empfehle ich auch schon einmal ein Ibuprofen zu nehmen, solange die Person dafür offen ist. Warme Bäder mit durchblutungsfördernden Zusätzen helfen zusätzlich, Schmerzen zu lindern.
Warum gibt es eine Erstverschlimmerung?
Woher es genau kommt, weiss man nicht genau, zumindest gibt es dazu keine wissenschaftlichen Untersuchungen. Vermutet wird, dass es funktionelle Anpassungsvorgänge sind, da wir bei einer guten Behandlung doch stark in das Bewegungs- und Nervensystem eingreifen. Wir beeinflussen Muskeln, Knochen, Bänder, Lymph- und Blutgefässe, was zu dynamischen Veränderungen führen kann und die vom zentralen Nervensystem erst mal wieder in unsere Bewegungsmuster integriert werden müssen.
Schmerzen auch bei sanften Körpertherapien möglich
Das gilt auch für sehr sanfte osteopathische Techniken. Es muss nicht immer an einem Zuviel an Tiefe und Druck oder an einer Überforderung der Person liegen. Oft kennen wir diese Erscheinung auch, wenn wir nach längerer Zeit von “Nichtstun” wieder mit einer Bewegungspraxis wie Yoga oder Sport beginnen. Der Körper muss sich in seiner gesamten Stoffwechsellage neu orientieren.
Umgang mit der Erstverschlimmerung in der Praxis
Es ist also wichtig, unsere KlientInnen aufzuklären über:
die mögliche Dauer (1-3 Tage nach der Behandlung)
geeignete Massnahmen (warme Bäder, Schmerzmittel im Notfall)
Möglichkeit eines telefonischen Gespräches oder einer Nachbehandlung mit der behandelnden TherapeutIn
Vielen Dank, Ingrid!
Ingrid May, 3. Block Esalen Massageausbildung Europa im März 2017 in Hollerbühl
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